Rasche Gewinnchancen vergrößern Suchtgefahr

lottoscheinBERLIN – Glücksspiel erfreut sich zunehmender Beliebtheit, besonders am Automaten und im Internet. Die Gefahr des Abgleitens in die Spielsucht wird dabei aber oft unterschätzt.

Sie spielen Poker oder Roulette online, Dart in der Lieblingskneipe oder füllen Woche für Woche einen Lotterieschein aus: In der Bundesrepublik gibt es zurzeit rund 25 Millionen Glücksspielkonsumenten. In ihrer Mitte befinden zwischen 80 000 und 400 000 pathologische Spieler. Es ist vor allem eine rasche Spielabfolge und ein kurzer Zeitraum zwischen Geldeinsatz und Spielergebnis, das die Suchtgefahr erhöht. Weiterlesen bei Medial Tribune.

„Die Menschen wissen zu wenig über die Gefahren des Spielens“, sagte die Drogenbeauftragte des Landes Berlin Christine Köhler-Azara auf der Fachkonferenz „Ihr Einsatz bitte“. Gleiches erklärte Kerstin Jüngling, Leiterin der Fachstelle für Suchtprävention im Land Berlin, pad e.V.: „Mehr Wissen und ein Fachdiskurs zum Thema Glücksspielsucht hilft Fachkräften der Schuldnerberatung oder im Jobcenter, Pädagogen, Ärzten und Eltern, im Alltag frühzeitig und kompetent ein Abgleiten in den Glücksspielstrudel zu verhindern.“

Ordnungsämter mit Kontrollen überfordert

Mit dem Glücksspielstaatsvertrag vom Januar dieses Jahres sind zwar Veranstalter und Vermittler von öffentlichen Glücksspielen verpflichtet worden, der Entstehung von Glücksspielsucht vorzubeugen, Sozialkonzepte zu entwickeln und ihr Personal zu schulen. Ziel ist es, vor den Gefahren der Glücksspielsucht und der mit Glücksspielen verbundenen Folge- und Begleitkriminalität zu schützen. Praktisch aber funktioniert das kaum. Die Kontrollen sind durch die Ordnungsämter kaum zu schaffen – denn es geht nicht nur um 83 Kasinos und 20 000 gesperrte Spieler, sondern auch um Glücksspielautomaten in Spielhallen und Gaststätten, die unter 18-Jährige eigentlich nicht benutzen dürfen.

Eigenständige Krankheit

Das Pathologische Glücksspielen ist seit 2001 als eigenständiges Krankheitsbild innerhalb der psychischen Störungen anerkannt (F 63.0). Die Krankenkassen und Rentenversicherungsträger haben für medizinische Rehabilitation eine gemeinsame Empfehlung ausgesprochen. 2006 wurde rund 4000 Spielsüchtigen ambulant und etwa 1000 stationär geholfen. Die Zahl der Patienten steigt stetig.

Die Kosten für Therapien plus soziale Transferleistungen plus Folgen von Beschaffungskriminalität belasten den Staat jährlich mit einem zweistelligen Millionenbetrag. Darauf verwiesen Vertreter von Bündnis 90/Die Grünen vor dem Bundestag , als sie einen Gesetzentwurf zur Prävention der Glücksspielsucht und Erweiterung der Therapieangebote einbrachten. Es wurde auch gefordert, gewerbliche Glücksspielanbieter den Richtlinien des Glücksspielstaatsvertrages unterzuordnen.

Kneipen und Spielhallen sind erste Station

Geldgewinnspielgeräte in Gaststätten und Spielhallen weisen das größte Suchtpotenzial auf. Armin Koeppe von der Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e.V. (DHS) berichtete von einem Bundesmodellprojekt, in dessen Auswertung 85 % der Klienten, die in die Beratungsstellen kommen, ihre Sucht in Gaststätten und Spielhallen erworben haben. Die DHS verwies zudem darauf, dass es aufgrund steigender Klientenzahlen bereits zu Wartezeiten auf einen Therapieplatz von bis zu einem halben Jahr kommt. Die DHS empfahl, die jährlichen staatlichen Einnahmen aus Glücksspielen von rund 5 Mrd. Euro zu einem festgelegten Anteil direkt für eine dauerhafte Finanzierung des glücksspielspezifischen Hilfesystems gesetzlich festzuschreiben.

56 % des Umsatzes wird mit Suchtkranken erzielt

Der Sachverständige Professor Dr. Michael Adams glaubt zu wissen, warum Maßnahmen gegen Glücksspielsucht nicht so rigoros sind. So verzeichnet die Glücksspielbranche einen jährlichen Umsatz von 7,7 Mrd. Euro, von dem 3,2 Mrd. Euro Gewinn bleiben. 56 % der Einnahmen stammen von Suchtkranken. Prof. Adams sieht eine Verordnung des Wirtschaftsministeriums verantwortlich, die es möglich gemacht hat, die Spielfrequenz zu erhöhen. „Der Rhythmus, in dem neue Spiele beginnen können, muss von derzeit 2,5 Sekunden wieder auf 60 Sekunden verlängert werden. Damit haben Sie das Suchtpotenzial um Dimensionen verringert“, so der Sachverständige. Das Wirtschaftsministerium habe seit 2005 einen 32%-igen Anstieg der Umsätze der Geldspielgeräte ermöglicht. Adams: „Wenn man sich vor Augen hält, dass die Hälfte der Spieler süchtig ist, wird einem das Geschäftsmodell schnell klar. Es geht darum, die Leute möglichst rasch süchtig zu machen, denn von dort kommt die Hälfte des Ertrages.“

„Die Menschen wissen zu wenig über die Gefahren des Spielens“, sagte die Drogenbeauftragte des Landes Berlin Christine Köhler-Azara auf der Fachkonferenz „Ihr Einsatz bitte“. Gleiches erklärte Kerstin Jüngling, Leiterin der Fachstelle für Suchtprävention im Land Berlin, pad e.V.: „Mehr Wissen und ein Fachdiskurs zum Thema Glücksspielsucht hilft Fachkräften der Schuldnerberatung oder im Jobcenter, Pädagogen, Ärzten und Eltern, im Alltag frühzeitig und kompetent ein Abgleiten in den Glücksspielstrudel zu verhindern.“

Ordnungsämter mit Kontrollen überfordert

Mit dem Glücksspielstaatsvertrag vom Januar dieses Jahres sind zwar Veranstalter und Vermittler von öffentlichen Glücksspielen verpflichtet worden, der Entstehung von Glücksspielsucht vorzubeugen, Sozialkonzepte zu entwickeln und ihr Personal zu schulen. Ziel ist es, vor den Gefahren der Glücksspielsucht und der mit Glücksspielen verbundenen Folge- und Begleitkriminalität zu schützen. Praktisch aber funktioniert das kaum. Die Kontrollen sind durch die Ordnungsämter kaum zu schaffen – denn es geht nicht nur um 83 Kasinos und 20 000 gesperrte Spieler, sondern auch um Glücksspielautomaten in Spielhallen und Gaststätten, die unter 18-Jährige eigentlich nicht benutzen dürfen.

Eigenständige Krankheit

Das Pathologische Glücksspielen ist seit 2001 als eigenständiges Krankheitsbild innerhalb der psychischen Störungen anerkannt (F 63.0). Die Krankenkassen und Rentenversicherungsträger haben für medizinische Rehabilitation eine gemeinsame Empfehlung ausgesprochen. 2006 wurde rund 4000 Spielsüchtigen ambulant und etwa 1000 stationär geholfen. Die Zahl der Patienten steigt stetig.

Die Kosten für Therapien plus soziale Transferleistungen plus Folgen von Beschaffungskriminalität belasten den Staat jährlich mit einem zweistelligen Millionenbetrag. Darauf verwiesen Vertreter von Bündnis 90/Die Grünen vor dem Bundestag , als sie einen Gesetzentwurf zur Prävention der Glücksspielsucht und Erweiterung der Therapieangebote einbrachten. Es wurde auch gefordert, gewerbliche Glücksspielanbieter den Richtlinien des Glücksspielstaatsvertrages unterzuordnen.

Kneipen und Spielhallen sind erste Station

Geldgewinnspielgeräte in Gaststätten und Spielhallen weisen das größte Suchtpotenzial auf. Armin Koeppe von der Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e.V. (DHS) berichtete von einem Bundesmodellprojekt, in dessen Auswertung 85 % der Klienten, die in die Beratungsstellen kommen, ihre Sucht in Gaststätten und Spielhallen erworben haben. Die DHS verwies zudem darauf, dass es aufgrund steigender Klientenzahlen bereits zu Wartezeiten auf einen Therapieplatz von bis zu einem halben Jahr kommt. Die DHS empfahl, die jährlichen staatlichen Einnahmen aus Glücksspielen von rund 5 Mrd. Euro zu einem festgelegten Anteil direkt für eine dauerhafte Finanzierung des glücksspielspezifischen Hilfesystems gesetzlich festzuschreiben.

56 % des Umsatzes wird mit Suchtkranken erzielt

Der Sachverständige Professor Dr. Michael Adams glaubt zu wissen, warum Maßnahmen gegen Glücksspielsucht nicht so rigoros sind. So verzeichnet die Glücksspielbranche einen jährlichen Umsatz von 7,7 Mrd. Euro, von dem 3,2 Mrd. Euro Gewinn bleiben. 56 % der Einnahmen stammen von Suchtkranken. Prof. Adams sieht eine Verordnung des Wirtschaftsministeriums verantwortlich, die es möglich gemacht hat, die Spielfrequenz zu erhöhen. „Der Rhythmus, in dem neue Spiele beginnen können, muss von derzeit 2,5 Sekunden wieder auf 60 Sekunden verlängert werden. Damit haben Sie das Suchtpotenzial um Dimensionen verringert“, so der Sachverständige. Das Wirtschaftsministerium habe seit 2005 einen 32%-igen Anstieg der Umsätze der Geldspielgeräte ermöglicht. Adams: „Wenn man sich vor Augen hält, dass die Hälfte der Spieler süchtig ist, wird einem das Geschäftsmodell schnell klar. Es geht darum, die Leute möglichst rasch süchtig zu machen, denn von dort kommt die Hälfte des Ertrages.“

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Datum: Samstag, 7. November 2009 11:53
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